Empfinger Kneller 200 Jahre - 2013

10. Febr. 2013

200 Jahre Kneller in Empfingen - dieser Geburtstag musste natürlich gefeiert werden. Und zwar am Fasnetssonntag, dem höchsten Tag der Kneller. Im Takt der Narrenkapelle "Zottla" ließen die Kneller ihre Peitschen im Takt des Original Empfinger Narrenmarsches nach einer kurzen Ansprache durch Zunftmeister Thomas Joachim erklingen. Mit seinen 200 Jahren gehört der Empfinger Kneller ohne Zweifel zu den ältesten Narrenfiguren im Hohenzollerischen. Sein Gesicht ist nicht vermummt und er trägt lediglich rot gefärbte Wangen. Früher trug der Kneller noch zusätzlich eine Pappnase. Das Häs, in dem nur Männer stecken dürfen, besteht aus schwarzen Stiefeln, schwarzem Frauenrock, einem langen weißen Hemd und Tüchern um die Hüfte, Kopf und Schulter. Dazu kommt ein hoher, glitzernder, bunt verzierter Kneller- oder Butzenhut. Die Kneller wissen virtuos mit ihren langen Peitschen umzugehen. Im Gänsemarsch "knellen" sie beim Umzug mit ihren "Goaßla". Durch den auffälligen Knellerhut, die Kleidung und den Auftritt im Gänsemarsch, wird diese Narrengestalt in Brauchtumskreisen als Besonderheit der schwäbisch-alemannischen Fasnet gewertet.

Das heutige Aussehen wurde einst von der aus der Mode gekommenen Empfinger Frauen-Tracht beeinflusst. Die Mailänder Seidentücher über den Schultern und um die Hüfte gebunden, sowie der schwarze Rock, lassen es heute noch erkennen. Das über den Rock geworfene, weiße Hemd stammt von den fast knielangen, gebleichten Leinenhemden, die früher allgemein auf dem Lande getragen wurden. Die schwarzen, hohen Lederstiefel trugen die Männer einst während der kalten Wintermonate. Der glitzernde "Butzenhut" des Knellers wurde laut Chronisten in den Lichtstuben gefertigt und mit bunten Symbolen bestückt. Über die Deutung dieses Hutes und seiner Symbole gibt es unterschiedliche Theorien. Die erste Erwähnung des "Butz", der den Urtyp des Knellers darstellte, wird laut mehreren Unterlagen der Narrenzunft und einem Zeitungsartikel aus dem Jahr 1952 von den Chronisten auf das Jahr "1813" datiert. 1951 wurde die Narrenzunft gegründet, welche die Fasnet nun organisierte und diese übernahm den Kneller als Traditionsfigur aus der freien Fleckafasnet. Die ersten bekannten Kneller unter der Narrenzunft waren vier Kameraden des Jahrgangs 1903/04 (Husaren), die auf einem Foto von 1952 abgebildet sind. Seither sind die Kneller fester Bestandteil des Umzuges. Wer am Umzug einen Kneller darstellt, stellt seinen Knellerhut selbst her, nach bestimmten Vorlagen, auch das Häs ist eigen. Aktueller Knellervater ist Siegfried Lutz und in der Gruppe knellen momentan 16 Erwachsene und vier ehrgeizige Jungkneller.

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