Grosselfinger Narrengericht 2011

3. März 2011

Die Bruderschaft des Ehrsamen Narrengerichts führte ihr Narrenspiel am Schmotzega Dauschteg zum zweiten Mal auf. Traditionsgemäß begann der Narrentag mit dem Gottesdienst. Mittags setzte sich der Zug der Ehrsamen Bruderschaft in Bewegung, um Fähnrich, Bäder und Majore und nicht zuletzt den Narrenvogt in das Venezianische Reich zu holen. 42 Chargen und rund 350 mitwirkende Grosselfinger zogen durch die Straßen. Die Wegräumer sorgten für freie Bahn, wurden dabei aber immer wieder vom Narrenrössle gestört.

Trotz Mittagsstunde begrüßte der Narrenvogt seine Untertanen traditionsgemäß mit einem lauten "Guten Morgen, ihr Brüder". Er konnte aber nicht verhindern, dass die Gassenrollen und Wegräumer unter dem Gelächter des Publikums erst einmal sein Haus ausmisteten. Dann ging es zu den Klängen des Spielmanns- und Fanfarenzugs weiter zum Marktplatz. Dort verkündete der Platzmajor die Reichsordnung, mit der ganz Grosselfingen zum Venezianischen Reich erklärt wurde. Da alle Macht jetzt beim Narrengericht lag, ging es im Gerichtssaal im Alten Schulhaus so manchem Übeltäter an den Kragen. Prominentester Sünder war der Landtagsabgeordnete Hans-Martin Haller. Seine Vergehen waren so schwerwiegend, dass er um den Verlust des halben Lebens und des ganzen Vermögens nicht herum kam.

Am Schluss ließ das Gericht aber Gnade vor Recht ergehen, und an Stelle der Angeklagten landeten die Hanswurste und Wegräumer für die Stockhiebe auf der Pritschenbank. Während das Narrengericht noch tagte, machten sich Metzger und Butzen zur Abholung des Krauthafens auf den Weg zum Pfarrhaus. Auf dem Marktplatz verfolgten kurz darauf viele Zuschauer den Dialog zwischen dem kaum belehrbaren Gemeindevogt und dem Narrenvogt. Sie mussten den Raub des Sommervogels miterleben und freuten sich über die Verurteilung der Räuber zum Wassertod. Narrenvogt Manfred Ostertag entließ danach den Sommervogel in die Freiheit, so dass das ganze Venezianische Volk jetzt auf den Einzug des Frühlings hoffen kann (Text von Rainer Wolf / Schwarzwälder Bote / 4.3.2011).