1961 Berlin

Berlin: Mauerbau bis Wende - 1991 bis 2006

"Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten" - so der Staatsratsvorsitzende der DDR, Walter Ulbricht, am 15.6.1961. Entgegen der Ankündigung, riegelte die DDR am 13. August 1961 die Westsektoren der in vier Sektoren geteilten Stadt ab. Mit sowjetischer Erlaubnis wurde West-Berlin eingemauert und den Ostdeutschen die letzte Fluchtmöglichkeit genommen. Mindestens 136 Menschen verloren an der Mauer ihr Leben. Es dauerte mehr als 28 Jahre, bis dieses internationale Symbol des Kalten Krieges am 9.11.1989 fiel. Die politische Vorgeschichte der Mauer resultierte aus den Folgen des Zweiten Weltkrieges und war in internationale Interessenkonflikte eingewoben. Als 1949 zwei deutsche Staaten entstanden, blieb Berlin in vier Sektoren geteilt. Die innerdeutsche Grenze war seit Mai 1952 geschlossen. West-Berlin lag fortan als stetig lockendes Schaufenster des Westens inmitten der DDR.

Nach dem gescheiterten sowjetischen Versuch, die Alliierten durch eine fast einjährige Blockade aus West-Berlin zu vertreiben, verlangte die Kremlführung in der zweiten Berlin-Krise 1958-60 ultimativ den Abzug der Westmächte. Der stetige Flüchtlingsstrom - von 1945-61 flüchteten rund 3,5 Millionen Menschen aus der sowjetischen Besatzungszone und der späteren DDR - hatte die DDR-Führung derart unter Druck gesetzt, dass Ulbricht seit Mitte der 50er Jahre die sowjetische Führung regelmäßig bat, die Sektorengrenze auch in Berlin schließen zu dürfen. In der Nacht auf den 13.8.1961 begannen unter Führung der Nationalen Volksarmee der DDR ca. 15.000 Mitglieder bewaffneter Organe, die Straße und Gleiswege nach Westberlin abzuriegeln.

Einer der bekanntesten Berliner Grenzübergänge war der Checkpoint Charlie, der zwischen 1961 und 1990 den sowjetischen mit dem US-amerikanischen Sektor verband. Dieser Kontrollpunkt durfte nur von alliierten Militär- und Botschaftsangehörigen, Ausländern und Mitarbeitern der Ständigen Vertretung der Bundes-republik Deutschland bei der DDR sowie von den DDR-Funktionären benutzt wurden. Der "alte" Checkpoint Charlie ist hauptsächlich in den Foto-Reihen 1,2, 4 und 5 bebildert. Als Folge des Versuchs der SED-Führung, alliierte Rechte der Westmächte in Berlin einzuschränken, standen sich am 27. Oktober 1961 sowjetische und amerikanische Panzer gefechtsbereit gegenüber. Heute weiß man, dass die Kommandeure beider Seiten den Befehl hatten, ihre Panzer notfalls einzusetzen. Mit dem Ausruf "Ich bin ein Berliner" unterschrich der amerikanische Präsident John F. Kennedy bei seinem Besuch in Berlin am 26. Juni 1963 vor einer jubelnden Menschenmenge die Verbundenheit der Vereinigten Staaten von Amerika zu Berlin.

Erstmals Berliner Luft schnupperte ich im Januar 1984 im Rahmen eines politischen Seminars - und als es "Let's go East" hieß, war meine Leidenschaft für Berlin und die damit zusammen hängende Geschichte geboren. Stets ein absolut beklemmendes Gefühl war der langwierige Grenzübertritt am Bahnhof Friedrichstraße, eingepfercht in eine stickige Kontroll-Kabine und einem unfreundlichen Grenzer ausgeliefert. Nach Berappung des Zwangsumtausches von 20 DM konnte sodann Ostberlin bis Mitternacht erkundet werden. Alles grau in grau, leere Schaufenster und trotzdem lange Menschenschlangen vor den Geschäften, mit 20 Ostmark ließ es sich "drüben" fürstlich leben. Wir checkten die typische Soljanka, Broiler und einen Satz Schnäpse zum Nachtisch. Erschreckende Propaganda gegen den Klassenfeind in der U-Bahn am Alex.

Ein ebenfalls sehr geschichtsträgiger Ort war die Bernauer Straße im Berliner Bezirk Mitte. Während der Teilung Berlins verlief entlang der Straße die Berliner Mauer. Berühmtheit erlangte die Bernauer Straße durch Fluchtaktionen aus den Fenstern von Häusern im Ostteil Berlins auf die Straße, deren Bürgersteig bereits in West-Berlin lag. Die nach Westen gelegenen Eingänge und Fenster dieser Häuser wurden sukzessive zugemauert - bis sie schließlich ganz abgerissen wurden (siehe Reihe 3 dieser Foto-Galerie). Bis Mitte der 1980er Jahre stand auf dem Mauerstreifen an der Bernauer Straße die aus Sicht der DDR störende Versöhnungskirche, die am 28. Januar 1985 gesprengt wurde. Dadurch war der "antifaschistische Schutzwall" weit besser überschaubar.

Dass die Mauer jemals fällt - daran hätte man bis zum 9. November 1989 niemals geglaubt! Von da an wurde Berlin zur Großbaustelle und in dem Zuge wurden fast alle Spuren des DDR-Regimes beseitigt. Erhalten blieb bis heute das gefürchtete und berüchtigte StaSi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen (Genslerstr. 66). Dort wurden vor allem politische Gefangene inhaftiert und physisch und psychisch gefoltert. Nicht weit davon entfernt die Stasi-Zentrale (Ministerium für Staatssicherheit) in der Ruschestraße 103, wo von fast jedem DDR-Bürger (und auch BRD - inkl. mir!) eine Akte existierte. Denn die informellen Mitarbeiter der Stasi überwachten wirklich alles und jeden. Man konnte fast niemandem trauen!